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„Thank you for travelling“ – Wer kennt diese Ansage aus dem Zug nicht, insbesondere wenn man bevorzugt mit dem ICE fährt? Die beiden Autoren Mark Spörrle und Lutz Schumacher, die sich gleichzeitig als bekennende Bahnfahrer bezeichnen, nehmen diesen dann auch sogleich als Titel (wenngleich in leichter Abwandlung der Schreibweise 😉 ) für ihr – natürlich nicht ganz ernstgemeintes – Buch über das Bahnfahren, welches sie aus eigener Erfahrung allzu gut kennengelernt haben.

In welche Richtung es auf den kommenden 192 Seiten gehen soll deutet schon der Untertitel an: „Wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen„. Nun liest man – zumindest geht es mir so – interessante („Horror“-)Geschichten rund ums Bahnfahren immer wieder gern und daher war ich wirklich gespannt, wie man das Thema umgesetzt hat. Der Einstieg  ist nett, man kann durchaus manchmal schmunzeln. Das Problem ist einfach, dass danach nicht mehr kommt. Irgendwie plätschern die Geschichten so dahin, immer gut gedacht, aber nie wirklich witzig.

Nun kann man darüber spekulieren, warum man nicht einmal richtig lachen kann. Ich sehe ein Problem darin, dass sich die Autoren nicht an tatsächlich erlebte Geschehnisse gehalten haben, sondern weitgehend eine fiktive Geschichte erzählen. Leider steigert man dies oftmals zu sehr ins Alberne, wodurch man sich schwer damit tut sich mit den handelnden Personen zu identifizieren. Die Autoren haben die Bahngeschichten so sehr überspitzt, dass die nötige Verbindung zur Realität fehlt, um Parallelen zu eigenen Erfahrungen zu ziehen. Doch genau dies scheinen Bücher, die sich über das Bahnfahren und alles was dazugehört lustigzumachen, zu brauchen um den Leser zum Lachen zu bringen. Schade, dass man dieses vorhandene Potential bei „Senk ju vor träwelling“ verschenkt hat.

Mehr oder weniger zufällig fiel mir während des Urlaubs das Buch „Reif für die Insel – England für Anfänger und Fortgeschrittene“ von Boll Bryson in die Hände. Der Klapptext lies auf eine amüsante und ironische „Abrechnung“ mit England und seinen Bewohnern hoffen und klang für mich vielversprechend. Leichte Kost also während der Ferien. Dementsprechend fing ich das, neunundzwanzig Kapitel umfassende, Buch frohen Mutes an und wurde zunächst auch nicht enttäuscht. Beschrieben wird die Reise eines amerikanischen Journalisten, der selber lange mit Familie in England lebte und arbeitete, durch die verschiedensten Städte in Großbritannien. Zunächst scheint die Mischung aus Städtebeschreibungen, eigenen Erinnerungen und Erzählungen über die dortige Lebensweise sehr überzeugend und kurzweilig geschrieben.

Doch mit zunehmender Lesedauer ging mir immer die Lust an dem Werk verloren. Das mag damit zusammenhängen, dass ich offen gestanden kein großer Kenner von England bin und somit desöfteren Schwierigkeiten mit der Einordnung, der im Buch genannten Städte, hatte. Andererseits kam es mir ungefähr ab der Buchmitte so vor, als wiederholen sich die Kapitel immer wieder aufs neue, lediglich anders beschrieben. Der Inhalt war zumeist leider schnell berechenbar: Eine Unterkunft wird gesucht – die Wahl fällt meistens nicht besonders glücklich aus -, zu Abend gespeist wird – mangels Alternativen – in chinesischen oder indischen Restaurants und auch die Wanderungen, Zugfahrten und Stadtbesichtigungen bieten oftmals nichts Neues. Zugegeben es gibt auch unterhaltsame Stellen, aber auf den knapp 350 Seiten von „Reif für die Insel“ waren diese zu rar gesät, meine ich.

Fazit für mich: Das konnte meine – vielleicht zu hohen? – Erwartungen nicht erfüllen, was hauptsächlich daran lag, dass der Inhalt nicht wirklich für die volle Seitenzahl ausreicht. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass die Lektüre – besonders für Englandkundige – Leser trotzdem recht ansprechend kann. Auf einer Wertungsskala von 1 bis 10, wobei „10“ die Höchstbenotung ist, würde „Reif für die Insel“ von Bill Bryson von mir trotzdem nur eine „6“ erhalten.

Blog von seven-books.de

In Zukunft finden Sie hier Beiträge rund ums Thema „Bücher“. Seien Sie gespannt!