
{"id":7,"date":"2007-10-28T20:49:40","date_gmt":"2007-10-28T18:49:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seven-books.de\/blog\/ich-und-kaminski-von-daniel-kehlmann\/"},"modified":"2022-01-20T13:16:14","modified_gmt":"2022-01-20T11:16:14","slug":"ich-und-kaminski-von-daniel-kehlmann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.seven-books.de\/blog\/ich-und-kaminski-von-daniel-kehlmann\/","title":{"rendered":"Ich und Kaminski &#8211; von Daniel Kehlmann"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry\">\n<p>Eigentlich wollte ich mir f\u00fcr meinen kleinen Urlaub endlich Daniel Kehlmanns Bestseller \u201eDie Vermessung der Welt\u201c ausleihen, aber wie das Leben so spielt: Ausgerechnet dieses Buch war in der Bibliothek bereits vergriffen. Nun wollte ich nicht mit leeren H\u00e4nden nach Hause gehen, also griff ich spontan zu \u201eIch und Kaminski\u201c vom selbigen Autor. Der Klapptext gefiel und mit 174 Seiten schien das Werk gerade richtig f\u00fcr den Urlaub; ich lie\u00df mich also \u00fcberraschen.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlt wird die Geschichte des jungen Journalisten Sebastian Z\u00f6llner, der sich von der Biographie des Malers Manuel Kaminski erhofft, dass sie ihm den ganz gro\u00dfen Durchbruch bringt. Folglich nimmt er sich f\u00fcr die Vorbereitungen dieser, bisher nie dagewesene Zeit und f\u00fchrt mit Bekannten und angeblichen Freunden des gro\u00dfen K\u00fcnstlers, der in der \u00d6ffentlichkeit allerdings mehr und mehr in Vergessenheit ger\u00e4t. Z\u00f6llner dem dies, in seiner Ruhm- und Profitgier, eigentlich gar nicht in die Karten spielt, spekuliert daher auf den nahenden Tod Kaminskis, der f\u00fcr kurze Zeit wieder f\u00fcr steigendes Interesse Bev\u00f6lkerung hervorrufen wird, in welcher die Herausgabe der neuen Biographie gerade recht kommt.<\/p>\n<p>Doch Z\u00f6llner steht vor einem Problem: Nach der Ankunft in dem kleinen Bergdorf, wo sich Kaminski mit seiner Tochter zur\u00fcckgezogen hat, ist der Empfang keineswegs so, wie er sich diesen ausgemalt hatte. Unfreundlichkeit ihm gegen\u00fcber wird an den Tag gelegt und M\u00f6glichkeiten einmal direkt mit dem Maler zu reden, werden ein ums andere Mal verhindert. Lediglich durch Abwesenheit der Tochter und Bestechung der Haush\u00e4lterin, welche Chance gerne wahrgenommen hat, gelingt es Z\u00f6llner schlie\u00dflich mit ihm alleine im Haus zu sein. Das Interessanteste ist f\u00fcr Kaminski in ihrem Gespr\u00e4ch ist, dass der junge Journalist, welchem er sonst geistig offenkundig weit \u00fcberlegen scheint, auf seine einstige Jugendliebe gesto\u00dfen ist. Sie, Therese Lessing, war es gewesen, die f\u00fcr den Wandel in Kaminskis Kunststil verantwortlich war und damit entscheidend zur Popularit\u00e4t seiner Bilder beitrug. Doch irgendwann hatte Therese Abschied genommen und Z\u00f6llner war jetzt fest entschlossen die beiden noch einmal zusammenzuf\u00fchren, denn diese Geschichte sollte H\u00f6hepunkt in seinem Buch werden.<\/p>\n<p><a id=\"more-7\"><\/a>\u00dcberraschenderweise schien Kaminski dieser Idee nicht ablehnend gegen\u00fcber zu stehen \u2013 ganz im Gegenteil: Er dr\u00e4ngt den perplexen Nachwuchsjournalisten sogar dazu sofort mit dem Auto loszufahren. Obwohl dieser erst Bedenken hat, willigt er schlie\u00dflich doch ein: Es ist immerhin seine gro\u00dfe Chance. Die Fahrt wird unterbrochen von diversen Merkw\u00fcrdigkeiten, die aber scheinbar nur Z\u00f6llner komisch vorkommen. F\u00fcr diesen wird die Reise \u00fcberdies hinaus auch noch ein immenser Kostenfaktor, denn irgendwie schafft es der alternder K\u00fcnstler immer wieder, dass stets sein Biograph anfallende Rechnungen \u00fcbernehmen muss. Dabei hat dieser schon Schwierigkeiten sein eigenes Leben zu regeln. So schmei\u00dft ihn etwa eine Freundin nach langem Hin und Her endg\u00fcltig aus ihrer Wohnung und Z\u00f6llner muss einsehen, dass er weder richtige Freunde noch ein Dach \u00fcber den Kopf hat.<\/p>\n<p>Umso wichtiger wird f\u00fcr ihn also der Besuch bei Therese Lessing. Dort angekommen \u00f6ffnet ihnen ein alter Herr, der seinen Lebensabend mit Kaminskis einstiger Jugendliebe verbringt. Diese reagiert freundlich auf dem Besuch, kann oder will sich allerdings nicht mehr so recht auf die damalige Zeit zur\u00fcckbesinnen. So blieb auch dieses Gespr\u00e4ch, auf das Z\u00f6llner solch gro\u00dfe Hoffnungen gesetzt hatte, f\u00fcr ihn mehr oder weniger ergebnislos. Damit das Desaster f\u00fcr ihn vollends komplett war, wartete vor der T\u00fcr auch noch Kaminskis Tochter. Nun sah er sich nicht nur diversen Vorhaltungen ausgesetzt, sondern wurde \u00fcberdies mit der Tatsache konfrontiert, dass Kaminski bereits einen Vertrag mit einem Biographen unterzeichnet hatte: Hans Bahring, der Intimfeind Z\u00f6llners.<br \/>\nTrotzdem musste er sich letztendlich eingestehen, dass er eine gewisse Art von Sympathie f\u00fcr Kaminski entwickelt hat und erf\u00fcllt diesem daher noch einen letzten Wunsch: Gemeinsam fuhren sie ans Meer.<\/p>\n<p>Mein Fazit zu \u201eIch und Kaminski\u201c: Ein interessantes Buch, welches sich von Anfang bis Ende gut lesen l\u00e4sst und die Spannung bis zuletzt aufrechterh\u00e4lt. Sch\u00f6n vor allem der Wandel des Journalisten Sebastian Z\u00f6llner: Angefangen beim selbstverliebten und geldgierigen Egoisten, der im Laufe der Erz\u00e4hlung erkennen muss, dass er Kaminski nicht ebenb\u00fcrtig ist, dies bis zuletzt aber immer wieder verdr\u00e4ngt und letztendlich sein vollst\u00e4ndiges Versagen im bisherigen Leben eingestehen muss. Zum Schluss m\u00f6chte ich, neben der Leseempfehlung, allen Lesern noch den Link zu dem Artikel <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20080307021354\/http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913\/Doc~E50229F216F9B45DCBD52501B4A056524~ATpl~Ecommon~Scontent.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eDer entsorgte K\u00fcnstler\u201c<\/a>, welcher bereits im Erscheinungsjahr: 2003 in der FAZ ver\u00f6ffentlicht wurde, mit auf dem Weg geben.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich mir f\u00fcr meinen kleinen Urlaub endlich Daniel Kehlmanns Bestseller \u201eDie Vermessung der Welt\u201c ausleihen, aber wie das Leben so spielt: Ausgerechnet dieses Buch war in der Bibliothek bereits vergriffen. Nun wollte ich nicht mit leeren H\u00e4nden nach Hause gehen, also griff ich spontan zu \u201eIch und Kaminski\u201c vom selbigen Autor. 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